Dr.Hopf-Seidel: persisterende borreliose

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vonneke
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Dr.Hopf-Seidel: persisterende borreliose

Berichtdoor vonneke » Wo 2 Mei 2007 11:28

Symptome der persistierenden Borreliose
Im folgenden möchte ich die vielfältigen Symptome, die bei einer
persistierenden Borreliose beobachtet werden können, aufführen und zwar nach folgenden Gesichtspunkten:

1, Symptome, die m.W. nur bei einer persistierenden Borreliose von den Patienten berichtet werden und die deshalb als typisch, ja fast als pathognomonisch gelten dürfen. Charakteristisch ist dabei die je-weils wechselnde Intensität und Lokalisation der Beschwerden, was eindeutig gegen eine organbezogene Pathologie spricht.

2, Symptome, die häufig von den Borreliose-Patienten berichtet wer-den , die aber auch bei anderen Krankheiten auftreten könnten. Erst die Kombination dieser unterschiedlichen Symptome über einen längeren Zeitraum macht dann das Vorliegen einer persistierenden Borreliose wahrscheinlich.

1, Typische Symptome bei persistierender Borreliose

Plötzlich einschießende Muskelschmerzen, die an Intensität wech-seln und immer wieder an verschiedenen Körperstellen auftreten können
Ein- oder beidseitige Fersen- und Schienbeinschmerzen, die v.a. nachts im Liegen ohne eine mechanische Beanspruchung auftreten.

„Springende“, stark ausgeprägte Gelenkschmerzen („polytope Arthralgien“) v.a. der großen Gelenke wie Knie oder Schultern, der Handwurzelknochen oder der Sprunggelenke mit nächtlichem (!) Schmerzmaximum

Fußsohlenschmerzen, die ein -oder beidseitig auftreten und Reizun-gen der Plantaraponeurosen entsprechen (Plantarfasziitis). Das Schmerzmaximum ist ebenfalls nachts im Liegen oder morgens nach dem Aufstehen, sodaß sog. „Anlaufschmerzen“ bestehen (ähnlich wie bei Arthrosen).

Wechselnd auftretende Sehnen- und Sehnenansatzschmerzen wie z.B. Achillessehnenschmerzen , Schmerzen wie bei Carpaltunnel-syndrom (CTS), Epicondylitiden („Tennisarm“,“Golfarm“) oder Bizepssehnenreizungen (nachts betonter diffuser Oberarmschmerz).

Nachts betonte Rücken- oder Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in die oberen Extremitäten, die auf die üblichen Antirheumatika/ Analgetika kaum ansprechen und bei einer Bildgebung (CT, NMR) keine Ursache erkennen lassen.(s.a. die Ausführungen zum Bann-warth-Syndrom weiter unten)

„Wundgefühl“ der Rippen u./o. des gesamten Brustkorbes sowie
subjektive Atemnot, die sich aber mit pneumologischen Untersu-chungsmethoden nicht objektivieren lässt.
Brennschmerzen, Taubheitsgefühle, Kribbelparästhesien und „Ameisenlaufen“ , Jucken sowie schwer beschreibbare Gefühle wie „Elektrisieren“ und „Fließgefühle“ der Haut in wechselnder Loka-lisation und Intensität.

Viele Patienten berichten über ein immer wieder auftretendes plötz-liches „Zusammenziehen der Kopfhaut“, was sich merkwürdig an-fühle und nur schwer zu beschreiben sei.Andere von einem „Kappen-gefühl“, als ob sie ständig eine Mütze aufhätten.

Nebel im Kopf“ mit dem Gefühl, nicht ganz im Jetzt und Heute zu sein, sondern irgendwie „wie hinter einer Milchglasscheibe“.

Das Erythema migrans (EM) ist ein wenn auch nicht regelhaft auftretendes, so doch typisches Frühsymptom der Haut nach einer erfolgten Borrelieninfektion. Es ist sehr vielgestaltig und wird deshalb oft auch mit einem allergischen Exanthem oder einer Mykose ver-wechselt. Selbst ohne eine positive Borrelienserologie ist es unbe-dingt ausreichend lange und hoch genug dosiert antibiotisch zu behandeln, um die Entwicklung der chronischen Form der Borreliose zu verhindern!

Die Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA ) gilt als das klas-sische Spätsymptom der Haut bei einer chronischen Borrelieninfek-tion. Sie tritt meist an den Akren und den Streckseiten der Extremi-täten auf, aber auch z.B. an den Fußsohlen oder den Oberschen-keln. Sie wird in der Praxis des niedergelassenen Arztes allerdings selten gesehen bzw. diagnostiziert, da sie mit einer chronisch-vernö-sen Insuffizienz (CVI) verwechselt werden kann.
Die ACA verläuft in drei Stadien (Stadium maculosum, infiltrati-vum und atrophicans), die aber nicht unbedingt aufeinander folgen.

Schuppende Erytheme wechseln sich ab mit flächigen Rötungen oder Hautveränderungen wie bei allergischen Reaktionen, die netz- oder streifenförmig angeordnet sein können. Später erst kommt es zur faltigen sog. Zigarettenpapierhaut mit einem Durchscheinen der Gefäße und fleckigen Hautveränderungen oder auch Hautaufhellun-gen.

Während der ACA kommt es auch zu schmerzhaften Schwellungen der Finger- und Handgelenke, die einer Arthritis oder Fingerpoly-arthrosen (Bouchard- oder Heberdenarthrosen) ähneln können. Auch Knochen- und Gelenkerkrankungen (incl. Osteoporose) im Vorfuß-bereich und im Verbreitungsgebiet der ACA kommen vor sowie fibrinoide Knoten oder Ulcerationen, v.a. im Unterschenkelbereich.

2,Symptome,die meist von Patienten mit persistie-render Borreliose berichtet werden (in der ungefäh-ren Reihenfolge ihrer Häufigkeit)

Psychische und kognitive Veränderungen
Starke Müdigkeit- und Erschöpfung (dies ist das häufigste Symp-tom aller chronisch Borrelien-Infizierten !!) sowie Antriebsschwä-che und Stimmungslabilität (was immer wieder einmal zur einer Verwechslung mit einer Depression führen kann).

Kognitive Defizite mit Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, v.a. für Namen und kurz vorher geplante Tätigkeiten sowie der Aufmerksam-keit. Oft besteht eine Störung der Konzentration- und Auffassung, das Gefühl einer Denkhemmung und zeitweise auch Störungen der Orientierung (was bei Älteren zur Fehldiagnose eines M. Alzheimer Anlaß geben kann, v.a. wenn zusätzlich noch von apraktischen Stö-rungen für Alltagstätigkeiten beobachtet werden). Oft wird auch über ernsthafte Schwierigkeiten mit dem Lesen geklagt wegen der Kon-zentrationsunfähigkeit und der Unfähigkeit, Neues aufzunehmen, zu verarbeiten und zu behalten.

Sprachschwierigkeiten mit Wortfindungsstörungen („Namens-block“) mit häufigen „Versprechern“ und falscher Wortwahl. Es be-stehen auch Störungen des Schreibflusses mit Buchstabenverdre-hungen (z.B. Etlern)und Buchstabenverwechslungen (z.B.Fogel), so daß fast legasthenisch anmutende Schreibfehler entstehen, die v.a. beim Schreiben mit dem PC auffallen, seltener bei handschriftlich Verfasstem. In schweren Fällen einer chronisch progredienten Ence-phalomyelitis sind im cranialen MRT auch Herdbefunde zu erwar-ten, die oft als unspezifische „white spots“ oder ischämische Infarkt-narben beschrieben werden. bei gleichzeitig bestehenden Hirnnerven-paresen oder Sensibilitätsstörungen des Gesichtes/Halses kann es auch zu Verwechslungen mit einer MS kommen.
Orthopädische Symptome und Schmerzsyndrome
Rezidivierende multilokuläre Gelenkschmerzen, v.a. der Kniege-lenke und der Schultern, aber auch der Hüft- und Handgelenke.


Orthopädische Symptome und Schmerzsyndrome
Rezidivierende multilokuläre Gelenkschmerzen, v.a. der Kniege-lenke und der Schultern, aber auch der Hüft- und Handgelenke.

Es kann zu Schwellungen der Knie- und Sprunggelenke kommen, die
schmerzlos sind z.B. wenn der Erguß mehr im Schleimbeutel lokali-siert ist oder auch schmerzhaft, wenn eine Dehnung der Gelenkskap-sel besteht.

60% aller Borreliose-Patienten haben irgendwann diese polytop auf-tretenden Gelenkschmerzen!
Rezidivierende Nackenschmerzen mit Ausstrahlung bis in die obere
BWS und die Schultern, oft eines der Frühsymptome nach einer Borrelien-Infektion (sog. Borrelien-Meningismus)

Rezidivierende diffuse, oft sehr starke Kopfschmerzen und rezidi-vierende Rachen-oder Zungenschmerzen ohne Organbefund.

Schmerzsyndrome der Muskulatur
Muskelkrämpfe und verstärkter Muskelkater nach körperlicher Be-lastung, die oft durch eine gleichzeitige Übersäuerung mitbedingt sind.
Muskelzuckungen in Gesicht u./o. den Extremitäten, die leicht mit einem Tic verwechselt werden könnten.
„Elektrisierende“ Missempfindungen oder Schmerzen, die so kurz und heftig „wie bei einem Messerstich“ sind und die immer wieder kurzzeitig an völlig verschiedenen Körperstellen auftreten können.

Eine Sonderstellung unter den Schmerzsyndromen bei Borreliose nimmt das Bannwarth-Syndrom ein:
Garin, Bujadoux und Bannwarth beschreiben schon 1922 Nerven-schmerzen großer Nerven wie z.B. des Ischias oder des Plexus bra-
chialis, deren Ursache eine (Meningo)-Polyradikulitis mit lympho-
plasmazellulärer Pleocytose im Liquor ist, die meist 4-6 Wochen nach einem Zeckenstich und häufig ohne ein begleitendes EM auf-tritt. Diese Sonderform der Borrlieninfektion betrifft nur ca. 5% der Patienten.
Diese Nervenschmerzen können sehr lange anhalten und werden auch leicht als Bandscheiben-bedingte Ischialgien fehlgedeutet Auffällig ist ebenfalls eine nächtliche Schmerzverstärkung. Als Ursache der Beschwerdezunahme nachts werden Borrelien-verursachte Perivas-kulitiden der Vasa nervorum angenommen sowie Blutviskositätsver-änderungen mit dadurch bedingten nächtlichen Ischämien in den kleinen Gefäßen.

Weitere neurologische Symptome
Sensible Polyneuropathien (PNP) ohne motorische Defizite und ohne Reflexverluste (wahrscheinlich bedingt durch Vaskulitiden der Vasa nervorum der peripheren Nerven) lassen sich bei lange bestehen-der Borreliose fast regelhaft finden. Die Tiefensensibilität (das sog. Vibrationsempfinden) bleibt dabei meist unbeeinflusst. Gemessen werden kann diese sensible PNP durch die Oberflächensensibilitäts-prüfung mit dem Nadelrad (nicht mit der Hand oder einem Watte-bausch !) und den dabei angegebenen Sensibilitätsveränderungen (Hy-perpathien werden viel häufiger gefunden als Hypästhesien). Sie sind im weiteren Behandlungsverlauf meist wieder rückläufig, was gut dokumentiert werden kann durch das zentimetergenaue Ausmes-sen der sensiblen Veränderungen. Ca. 10 % aller chronisch Borrelio-sekranken haben neurologische Symptome.

Hirnnervensymptome:
Neuritis des 1.Hirnnerven (N.olfaktorius) mit Veränderung des Geruchssinnes und Wahrnehmung ungewöhnlicher Gerüche

Neuritis des 2. Hinnrerven (N.opticus) mit Beeinträchtigung des Scharfsehens (cave:DD: MS)

Neuritis des 3. Hirnnerven (N. oculomotorius) mit Lidheberschwä-che (Ptosis),Pupillotonie und Schmerzen bei Augenbewegungen

Neuritis es 4. Hirnnerven (N. trochlearis) mit der Folge von Dop-pelbildern durch Schielstellung (Bulbusdrehung vertikal)

Neuritis des 5. Hirnnerven (N. trigeminus) mit Dys- und Parästhesien der Wangen, perioral, am Gaumen sowie „Zahnschmerzen“

Neuritis des 6. Hirnnerven (N. abducens) mit Doppelbilder durch eine Schielstellung lateral

Neuritis des 7. Hirnnerven (N. facialis) mit Facialisparese, ein- oder doppelseitig, Hyperakusis, Geschmacksstörung, Tränensekretionsstö-rung (Sicca-Syndrom, Hyperlacrimation)

Neuritis des 8.Hirnnerven (N.statoacusticus/vestibulocochlearis) mit Schwindel, Hörverlust, Tinnitus, M. Meniere-Symptomatik, Ge-räuschüberempfindlichkeit.

Neuritis des 9. Hirnnerven (N. glossopharyngeus) mit (meist ) ein-seitigen Halsschmerzen, Schluckstörungen, Zungengrundschmerz

Neuritis des 10.Hirnnerven (N.vagus) mit Dysphonie, Dysphagie und Heiserkeit (Stimmbandteillähmung), Gaumensegellähmung

Neuritis des 11.Hirnnerven (N.accessorius) mit Schwäche des
M.trapezius und M.sternocleidomastoideus

Neuritis des 12. Hirnnerven (N. hypoglossus) mit Abweichen der Zunge zur betroffenen Seite, Phonationsstörung (b,p,d,t,n,s)

Vegetative Symptome
Schwitzen (ohne Fieber!) sowie Frieren, Frösteln und Zittern. Es besteht eine insgesamt erhöhte Kälteempfindlichkeit (bei völlig nor-maler Schilddrüsenfunktion), was v.a. bei Männern, die vorher nie froren, auffallend ist. Diese meist nächtlichen, aber auch tagsüber auftretenden Schweißausbrüche ohne vorangehende Anstrengung sind ein sehr häufiges Symptom der persistierenden Borreliose. Die Schwitzanfälle nachts oder auch tagsüber treten bei manchen Betroffenen immer zur gleichen Stunde auf. (Differentialdiagnostisch muß bei v.a.nächtlichem Schwitzen aber auch immer noch an Tuberkulose oder eine Tumorerkrankung gedacht werden).

(Neu aufgetretene) Alkoholunverträglichkeit, oft auch für nur klei-ne Alkoholmengen und vermehrt Unverträglichkeiten bzw. Allergien auf Nahrungsmitttel.

Rezidivierende Fieberschübe für einige Tage, meist um 38°C und tageszeitlich gebunden auftretend (v.a. bei Co-Infektion mit Babesien, der sog. „Hundemalaria“). In der Frühphase der Erkrankung treten die Fieberschübe häufig in einem 4-Wochen-Rhythmus auf.

Bei Kindern kommt es häufig zu rezidivierenden Fieberschüben bis 40° C. Es kann auch zu epileptischen Anfällen bei Kindern und Ju-gendlichen kommen.

Internistische Symptome
Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Koordinationsstörungen oft verbunden mit diffusen oder migräneartigen starken Kopfschmer-zen, die nicht auf die üblichen Analgetika, Antirheumatika oder Trip-tane ansprechen
Rezidivierende Lymphknotenschwellungen und gelegentlich auch Leuko-mit Lymphocytopenie, d.h. zu wenig weiße Blutkörperchen
mit zu wenigen Lymphocyten.
Es wird auch immer wieder von einer erhöhten Infektanfälligkeit nach einer Borrelieninfektion berichtet, Kinder wie Erwachsene „kränkeln“ oft. Es wird von rezidivierenden Nasennebenhöhlenin-fektionen oder verzögert ausheilenden sinubronchialen Infekten mit Husten berichtet.

Passagere oder auch bleibende Leberwerterhöhungen treten eben-falls nach einer Borrelieninfektionen immer wieder einmal auf, oft in Kombination mit einer Epstein-Barr-Virus (EBV)-Infektion (die auch Ursache einer Borrelien-IgM-Erhöhung sein kann und so eine frische Borrelieninfektion vortäuschen kann).
15-20% der Borreliosepatienten leiden unter einer passageren Leber-werterhöhung bzw. einer „Borrelien-Hepatitis“.
Generell gilt auch, dass sich Borreliosesymptome nach einer Narkose ebenso wie nach einer Impfung (FSME), einem Virusinfekt (v.a. EBV!) verschlechtern und sich in ihrer Intensität verstärken! Es werden den auch Schübe dadurch ausgelöst.

Kardiale Symptome
Herzrhythmusstörungen, meist s.v.Tachykardien, die anfallsweise auftreten sowie subjektiv beeinträchtigendes Herzklopfen. Aber auch
bradykarde Herzrhythmusstörungen treten auf. Im EKG zeigt sich dann z.B. ein neu aufgetretener AV-Block I-II(-III). Grades oder ein Rechtsschenkelblock.
8-12% der Borreliose-Kranken haben cardiale Symptome.

Pulmologische Symptome
Husten, Kurzatmigkeit ohne adäquate Ursache, obstruktive Bronchitis mit auskultatorischem Giemen, diffuses Druckgefühl im Thorax, von den Patienten oft als „Beklemmungsgefühle“ im Brustkorb bezeich-net (cave: nicht als Angstgefühle oder Depression missdeuten!).

Gastrointestinale Beschwerden
Verdauungsstörungen mit und ohne Bauchschmerzen, Meteoris-mus, Durchfall im Wechsel mit Verstopfung sind häufig genannte unspezifische Symptome nach einer Borrelieninfektion.
Appetitstörungen mit Gewichtsverlust oder auch -zunahme (oft bei gleichzeitig erhöhter Insulinresistenz, die ebenfalls nach Borrelienin-fektion vermehrt beobachtet wird ).

Oft besteht auch gleichzeitig eine Infektion mit Helicobacter pylori oder eine Lactoseunverträglichkeit, was beides laborchemisch abge-klärt werden sollte, da es jeweils spezifisch behandelt werden könnte.

Dermatologische Symptome (incl. Haut und Haare)
Es werden immer wieder Hautveränderungen wie rez. Exanthe-mata und mykoseartige Veränderungen beschrieben. Des weiteren kommt es intervallartig zu trockener Schuppung beider Handflä-chen und besonders an den „Schwimmhäuten“ in den Fingerzwi-schenräumen zu trockener Schuppung mit Einrissen, seltener auch an den Fußsohlen, dann ebenfalls oft mit Rhagaden einhergehend. Die Patienten erhalten dann öfter die Diagnose einer Neurodermitis, selbst wenn diese Hautveränderungen erstmals im Erwachsenenalter und auch erst nach einer Borrelieninfektion auftreten.
Auch eine mild ausgeprägte Psoriasis wird öfter als Ursache der schuppigen Hautveränderungen diagnostiziert und die gleichzeitig auftretenden Gelenkschmerzen dann als „Psoriasisarthritis“. Wird dann dieser Diagnose entsprechend mit Medikamenten wie Arava oder Metothrexat behandelt, wird das Immunsystem supprimiert, was wiederum der Chronifizierung der Borreliose Vorschub leistet.
Auch unter den Achseln kann es zu Rötungen und Pusteln kommen, dann auch verbunden mit Schmerzen der regionären Lymphknoten.
Dasselbe gilt für die Leisten beidseits und die inguinalen Lymphkno-ten, die zu diffusen Leistenschmerzen führen. Bei Frauen bilden sich auch submammär ekzemartige Hautveränderungen aus, die dann wieder ohne spezifische Therapie verschwinden (wenn der Schub abklingt).
Eine rezidivierend auftretende Lymphadenosis cutis benigna wird meist am Ohr, im Nacken, am Skrotum, der Nase oder an der Mamille beobachtet und ist eine Ansammlung von Lymphocyten (Lymphocy-tom). Dies kann auch ein Erstsymptom nach einer Borrelieninfektion sein und statt oder gleichzeitig mit einem EM auftreten, v.a. bei Kindern.

Auch eine Pannikulitis, eine entzündliche Veränderung des Unter-hautfettgewebes mit schmerzhafter Knotenbildung, wird gelegentlich beobachtet. Diese bildet sich unter adäquater Borreliosetherapie meist wieder zurück.
Das Neuauftreten von multilokulären Lipomen wird ebenfalls immer wieder berichtet im Anschluß an eine Borrelieninfektion.
Rötliche fleckige Hautveränderungen beiseits seitlich am Hals so-wie im Decolletebereich erinnern an eine Sonnendermatose, treten aber nach einer Borrelieninfektion auch ohne Sonneneinstrahlung (und auch ohne vorherige Doxycyclineinnahme!) auf. Diese bleiben leider meist auch nach adäquater Borreliosetherapie bestehen.
Ein sog. „Haarspitzenkatarrh“ mit Schmerzen beim Kämmen oder Berühren der Haare wird ebenfalls relativ häufig berichtet.
Diffuser Haarausfall, v.a. im Frühstadium und später jeweils bei den Borreliose-Schüben. Aber auch Alopecie mit völliger Haarlosigkeit kann auftreten. (Dermatologen fanden eine interstitielle Myositis der Haarwurzelmuskulatur neben einer Angiopathie durch Lymphocy-teninfiltrate bei einem verwandten Phänomen, nämlich der Entwick-lung von Schmerzen der Hauthaare mit nachfolgender Alopecie und Hautatrophie bei einem ACA-Prozess).

Veränderungen der Funktion der Sinnesorgane
Diffuse Sehstörungen, Schleiersehen und v.a. Nachtblindheit sind die häufigsten Sehveränderungen. Aber auch vermehrtes Auftreten von mouches volantes kommt vor. Die Sehqualität kann sich ebenfalls verändern, es kann zu Farbverschiebungen kommen, zu Unscharf-sehen, zu Flimmern vor den Augen. Eine Abducensparese mit Dop-pelbildern oder Oculomotoriuslähmung tritt v.a im Zusammenhang mit eine frischen Neuroborreliose auf, nur selten als Symptom einer chronischen Infektion.
Einseitige Pupillenfunktionsstörungen - sog. Pupillotonien - treten nach einer Borrelieninfektion auf und werden vom Patienten als ein-seitige Vergrößerung der Pupille (sog. Mydriasis) wahrgenommen.

Die Reaktionsfähigkeit dieser Pupille nach Lichteinfall ist dann oft auch stark verzögert, was zum einen zu einer erhöhter Blendempfind-lichkeit als auch zu Verschwommensehen führen kann.

Rezidivierende Augenentzündungen im Wechsel an beiden Augen, wobei sowohl die Konjunktiven, die Hornhaut als auch die Netz-haut oder die Iris betroffen sein können. Sie sind oft ein spät auftre-tendes Symptom und ähneln den Befunden bei okulärer Syphilis. Oft treten sie auch immer wieder gleichzeitig mit diversen Gelenkschmer-zen auf (cave: M Reiter!). Subjektiv besteht ein Fremdkörper - oder Trockenheitsgefühl der Augen (Sicca-Syndrom)

Neu aufgetretene Licht- und Lärmüberempfindlichkeit
Selten treten auch Geschmacksstörungen (oft entsteht ein bitterer, saurer oder metallischer Geschmack) bzw. auch das Nachlassen
des Geschmacks-und/oder Geruchsempfindens auf .
Tinnitus sowie Hörverlust ein-oder doppelseitig , manchmal verbun-den mit Gleichgewichtsstörungen und Schwindel. Auch meist ein-seitige Ohrenschmerzen ohne fachärztlich erkennbare Ursachen wer-den immer wieder geklagt.

Endokrine Veränderungen
Hypercholesterinämie, was jedoch ein sehr unspezifisches Symptom ist, da es in der Allgemeinbevölkerung ebenfalls sehr häufig ist. Es wird jedoch von den Betroffenen berichtet, dass die Cholesterinwerte erst nach der Borrelieninfektion als erhöht aufgefallen seien, eine Deutung dieses Phänomens steht noch aus.
Latente Hypothyreosen mit Erhöhung des TSH basal-Wertes, einer Erniedrigung von fT3 und oft auch der Entwicklung von Schilddrü-sen-Antikörpern (MAK,TRAK,TAK), die eine autoimmune Hashi-moto-Thyreoiditis anzeigen, die überproportional häufig mit einer Borreliose vergesellschaftet zu sein scheint. Klinische Symptome sind Veränderungen des Temperaturempfindens mit Frösteln und einer Kälteüberempfindlichkeit, aber auch immer wieder Auftreten von kalten Schweißausbrüchen. Auch Müdigkeit und Antriebsstörungen können durch die Schilddrüsenfunktionsstörung bedingt sein.

Serotoninstoffwechsel-/Cortisolspiegeländerungen mit Stim-mungsschwankungen, Gereiztheit, Aggressivität und Schlafstö-rungen (zu viel, zu wenig, oberflächiger Schlaf, Früherwachen).
Häufig wird auch über eine verstärkte Erschöpfbarkeit geklagt.
Auch erstmalig in höherem Alter auftretende Depressionen, die auf eine adäquate antidepressive Therapie nicht ansprechen, sollten an eine möglicherweise zugrunde liegende Borreliose denken lassen.
Wahrscheinlich ebenfalls auf Veränderungen des Cortisolspiegels bzw. des Angiotensin-II-Rezeptors beruhen die häufig berichteten Blutdruckveränderungen, insbesondere die plötzlich nach einer Borrelien-Infektion auftretenden erhöhten Blutdruckwerte bei vorher normotonen Personen.

Insulinresistenz mit Diabetesentwicklung , die einer vermehrten Tu-mornekrosefaktor (TNF-Alpha)-Aktivierung zugeschrieben wird.

Sexuelle Funktionsstörungen
Bei der Frau kommt es zu Beschwerden wie im Klimakterium mit Menstruationsunregelmäßigkeiten, gelegentlich sogar Auftreten von Milchfluß (Laktation) sowie verstärkter Reizbarkeit und (v.a. nächtlichen) Schweißausbrüchen.
Beim Mann entsteht ein Testosteronmangel, der sich über die Verän-derungen an den hormonellen Rezeptoren entwickeln kann mit der Folge von Müdigkeit, Libidominderung und Erektionsstörungen. Auch eine Gynäkomastie (bei gleichzeitigem Prolaktinanstieg) wurde schon beobachtet.
Untersuchungen der Sexualhormone sollten deshalb bei Hinweisen auf eine derartige Störung zur Basisuntersuchung bei Borreliosekran-ken gehören.

Urogenitale Symptome
Brennschmerzen der Blase sowie Blasenfunktionsstörungen mit zu häufigem Wasserlassen ((Pollakisurie), aber auch (sensible) Inkonti-nenz (man merkt nicht mehr, wenn die Blase gefüllt ist) ohne eine be-gleitende Bakteriurie. Bei Kindern kann eine primäre Inkontinenz für Urin und Stuhl das Symptom einer Borrelieninfektion sein. Auch
Mikrohämaturie oder asymptomatische Proteinurie können vorkom-men.
Hoden-/Prostata-/Leistenschmerzen ohne organischen Befund
Seltenere (< 10 %) Symptome bei persistierender Borreliose, die in der Literatur berichtet werden:
Neurologische Symptome:
Berichtet wird von klinischen Bildern wie bei Gilles-de-la-Tourette-Syndrom und anderen extrapyramidalen Syndromen, von choreati-schen Symptomen, v.a bei Kindern. Symptome wie bei amyotropher Lateralsklerose (ALS), einem M. Parkinson, einem Guillain-Barre-Syndrom oder einer Schlaganfall-ähnlichen Halbseitenlähmung, auch bei Kindern. MS-ähnliche Symptome incl. cerebralen NMR-Herde. Es wird von cerebellärer Ataxie berichtet, von Cerebralatrophie, schwerer Encephalopathie mit Hirndruck, Stupor und Coma, Pseudo-tumor cerebri, dies v.a. bei Kindern.
In selten Fällen kann es auch zu epileptischen Anfällen kommen, die jedoch besonders intensiv differentialdiagnostisch abgeklärt werden müssen, da es sich- zumindest bei Erwachsenen- um eine Rarität handeln dürfte. Bei Kindern wird darüber öfter berichtet, v.a. im Zusammenhang mit Fieberschüben bei Borreliose.

Psychiatrische Symptome:
Berichtet wird vom Neuauftreten von Zwangssymptomen, schizophre-nieartige Erlebens- und Verhaltensweisen mit Paranoia und Halluzina-tionen (Gerüche, Geräusche, Optisches), Anorexie .Schwere Demenz wie bei M. Alzheimer (mit Spirochätennachweis in senilen Plaques und Hirngefäßwänden post mortem), Hypersexualität, Alpträume, örtliche und zeitliche Desorientierung, Prosopagnosie (Gesichter werden nicht wiedererkannt), apraktische Störungen (bisher alltägliche Handlungen können nicht mehr ausgeführt werden)
Herz-Kreislauf, Gefäßsystem, Blutbildung:
Bei aktiver Borreliose findet sich eine dilatative Myocardiopathie, Bauchaortenaneurysma sowie intracerebrale Aneurysmen (Borr. burgd.-Vasculitis!), Angina abdominalis, KHK und Herzinfarkt, Thrombosen, Lymphadenopathie, erworbene Herzklappenfehler. Sehr selten auch eine Knochenmarks-Beteiligung mit Plasmocytose.
Lunge:
Rstriktive oder obstruktive Ventilationsstörungen, M. Boeck (Sarkoi-dose), trockener, nicht-produktiver Husten.
Niere, Harnwege, Sexualorgane:
Es werden berichtet rez.Harnwegsinfekte, Mikrohämaturie, Protein-urie und Glomerulonephritis, Prostatitis, Orchitis, Adnexitis, Uroli-thiasis, Portio-, Penis-, Mamma-Carcinom, Impotenz.
Haut:
Sklerodermie-ähnliche Veränderungen, Lichen sclerosus, subcutane fibröse Knoten, Granuloma annulare, eosinophile Fasziitis der Extre-mitäten, Anetoderma (umschriebener kreisförmiger Schwund der elastischen Hautfasern mit rötlichen, später weißen Herden mit Ziga-rettenhaut), diffuse Alopecie (auch am Ort des EM), B-Cell-Lymphom der Haut.
Magen-Darmtrakt:
M.Crohn, Colitis ulcerosa, Cholelithiasis, Refluxösophagitis, Spleno-megalie, (fieberhafte) Hepatitis und rez. Leberwerterhöhungen.
Orthopädische Symptome:
M. Bechterew, M. Dupuytren, Osteoarthritis und gelenknahe Osteopo-rose, Baker-Cysten der Kniekehlen.
Endokrinium:
Hypogonadismus, Hypophysenhinterlappeninsuffizienz (z.B. Diabetes insipidus mit verstärktem Durstgefühl und Pollakisurie), Hyperaldos-teronismus, Angiotensin-Erhöhung mit Blutdruckanstieg.
HNO-Symptme:
Heiserkeit und rez. Recurrensteilparese, Schluckstörung, Schwellun-gen im Gesicht, M. Meniereanfälle mit Schwindel und Hörverlust.
Augen-Symptome:
Nystagmus, Horner Syndrom, Panophthalmitis

http://www.zigann.net/downloads/hs_symptomvielfalt.pdf

Verdere artikelen van Dr.Hopf-Seidel:

http://www.zigann.net/downloads/hs_therapie.pdf

Bron: Borrelioseforum
Laatst gewijzigd door vonneke op Wo 2 Mei 2007 12:26, 1 keer totaal gewijzigd.

Je zelfbeeld bepaalt vaak de grenzen
van wat je als individu kunt bereiken.


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carla
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Lid geworden op: Vr 23 Mar 2007 13:58

Berichtdoor carla » Wo 2 Mei 2007 12:25

Mensenlieve Vonneke, wat een ellenlange lijst.

Heel gek, ik heb sinds ik last heb van lyme heel veel moeite met lezen en al helemaal met anderstalige stukken. Ik moet het bijna spellend lezen en de inhoud dringt maar langzaam tot me door. :roll:

Het blijven onthouden van nieuwe dingen kost me moeite en ook het terugvinden van een bepaald artikel. Als het belangrijk is print ik het meestal maar uit.

Misschien kan je het voor ons vertalen in een soort samenvatting? :lol:

groetjes Carla

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vonneke
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Lid geworden op: Do 16 Jun 2005 20:57

Berichtdoor vonneke » Wo 2 Mei 2007 12:37

Dat wil ik wel proberen Carla, maar kost dan wel even tijd denk ik. Want dat medisch Duits vind ik best lastig te vertalen. Maar ik vind in dit stuk zo veel belangrijke en herkenbare dingen staan, dat het wel de moeite waard is om dat te gaan doen denk ik.

Groetjes, Yvonne

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Tjerk
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Berichtdoor Tjerk » Wo 2 Mei 2007 13:10

Dat zou top zijn!! Wat carla zei is heel herkenbaar.

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marietje
Berichten: 4238
Lid geworden op: Zo 12 Feb 2006 19:20
Locatie: Zeeland

Berichtdoor marietje » Wo 2 Mei 2007 13:17

Ik heb hetzelfde probleem,Carla...Ik vind het hoogst irritant.Andere gekke bijverschijnselen,zoals het omdraaien vam letters of woorddelen kan ik best hanteren.Maar het moeilijk opnemen van teksten ed breekt me in mijn werk soms ook op...

Vonneke,fijn dat je een samenvatting wil maken.Het artikel geeft wel een compleet beeld...

patjev
Berichten: 574
Lid geworden op: Ma 5 Feb 2007 22:14
Locatie: tongeren/belgie

Berichtdoor patjev » Wo 2 Mei 2007 14:31

Goed dat we Vonneke hebben hier hé

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Mieke
Berichten: 878
Lid geworden op: Do 4 Mei 2006 23:15

Berichtdoor Mieke » Wo 2 Mei 2007 21:15

Ik heb het vluchtig doorgelezen, er zitten inderdaad bekende klachten bij.
Bedankt Yvonne.

mediflower
Berichten: 78
Lid geworden op: Do 14 Sep 2006 18:41

Berichtdoor mediflower » Do 3 Mei 2007 9:52

Het zou inderdaad geweldig zijn, als vonneke een samenvatting in het Nederlands zou willen maken. Ik heb er erg veel moeite mee me aandacht erbij te houden. Zou een hele hoop schelen. Ik wil alle informatie graag opnemen, maar als het in een andere taal is, dan wordt het voor mij al gauw te lastig..Zou top zijn vonneke als je een beetje zou willen vertalen! Groetjes Heidi

RobertF
Berichten: 2042
Lid geworden op: Zo 15 Feb 2004 16:21

Berichtdoor RobertF » Do 3 Mei 2007 10:32

Dit artikel is al een samenvatting van het originele 27 pagina's artikel. Als er nu 10 mensen zich melden van de bijna 900 forumleden voor vertaling dan hoeft een ieder 1/10 te doen.
Dus Vonneke even wachten op die andere 9
groet RobertFl

anya
Berichten: 295
Lid geworden op: Za 1 Mei 2004 18:23

Berichtdoor anya » Do 3 Mei 2007 10:43

aangezien ik aan de grens woon... en dus wel een beetje duits moet kunnen. Meld ik me voor een pagina.


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